Eine ruhige Nacht. Die Musik tanzt durch die Straßen, klopft an jeder Tür. “Aus den Betten Leute, die Nacht ist nicht zum schlafen da! Dafür gibt es den Tod.” Der Wein fließt und mit ihm das Gelächter. Man feiert um zu feiern, man feiert um zu trinken. Und man trinkt bis zum Ersticken. Wer nicht erstickt ist, hat nicht genug getrunken.
2018 ist eine alte Frau geworden, immerhin hat sie jetzt schon 365. Sie nährt sich an der Freude. Wenn sie nur wüsste, wie viele sie verdammt haben.
Die Zeiger der Uhr jagen einen Moment nach dem anderen. Noch eine Minute. Frau, nimm mich an der Hand und halte sie fest. So schlimm warst du dann doch nicht.
Sie kreischt als es zu Ende geht. Alle hören ihr Heulen, alle erfreuen sich daran.
Schaumgefüllte Gläser werden emporgehoben, es ist vorbei. Die Quelle alles Leides ist eingegangen. Aus den explosiven Lichtern wurde eine neue, junge Hoffnung geboren. Sie tanzen Walzer ihr zu Ehren. Sie glauben, hoffen, wünschen sich, dass sie ihre Befreiung ist.
Die Nacht ist nicht ruhig gewesen, aber der Tag ist es. Eine schwere Decke hat sich über die Köpfe aller gelegt, sie ergeben sich ihrem Leid. In erdrückender Stille betrachtet sie, die Neugeborene 2019, fassungslos, was wir angerichtet haben. Das Blut von 2018 liegt vergossen auf den Straßen, klebt an den Fassaden.
Angezündet, ertränkt, erstickt liegt sie da, sichtbar für alle, die noch sehen können.
Die Neue lacht unter Tränen. Ein Lachen, denn sie weiß, was uns bevorsteht. Und die Tränen? Jene fließen, denn sie sieht, wie es bald schon ihr ergeht.
